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Padawan
von Colin Rosenberg
Mein Kater verbringt zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter die meiste Zeit
draußen. Er bringt diese Gerüche mit zu mir auf den Arm. Ich reiche hinter
seinen Ohren, ob die Sonne scheint, dann fühlen sie sich wie weicher Sand aus
Samt an.
Sein Bauch verrät mir ob er sich in einem Keller rumgetrieben oder auf nassem, erdigem Untergrund auf Beute gewartet hat. An seinem Hinterkopf riecht es wie ein Baby, aber keine von Menschen, ganz anders. Es ist ein Duft, der mich meistens bezaubert. Nach sauberem Fell, aber auch nach unerklärlichen Dingen. Dinge, die meinen tiefsten Zuneigungen wie auf Kommando aus meinem Bauch kommen lassen.
Weihnachten
von Linda Pickenbach
Weihnachten riecht nach holzigen Tannenzweigen, süßlich nach gebrannten Mandeln
und in der Luft schwebt der schwere Geruch von warmen Tee und heißen Glühwein.
In Hintergrund ist eine leichte Frische von Ingwer zu erahnen.
Freizeit
von Liane Steinhäuser
Freizeit riecht wie ein Rosengarten, in dem die Rosen in der Nachmittagssonne
gerade ihren Duft entfalten. Ein leichter Wind, der ihre Extrakte in ein mildes
Parfum der Natur verwirbelt. Hauchzarte Duftwolken, die in die Nase steigen und
nach langen Atemzügen fordern. Ein pastellartiges Rosa, ein süßes Rot und ein
frisches blumiges Weiß zelebrieren dem Olfaktorium eine Symphonie der
königlichen Charaktere unserer Natur.
Glück
von Dina Pickel
Glück riecht wie frischer Sommerregen mit Sonnenschein und einem Regenbogen am
Himmel.
Cocktail
von Eva Schulz
Ein frischer Cocktail riecht nach einem sinnlichen, fruchtigen Erlebnis der
Erdbeere. Der ansprechende Duft von Mandel und Rum lässt das Gefühl aufkommen,
ihn mit einem Schluck austrinken zu wollen.
Meer
von Daniela Sommer
Das Meer riecht so intensiv nach Frische, Freiheit, so intensiv salzig. Wer in
seiner Nähe war, riecht salzig, so intensiv, dass man es in der Luft schon
schmecken kann. Es riecht so intensiv salzig, das man an nichts anderes in
seiner Nähe denken kann als an Freiheit und unendliche Weite. Wenn ein Lüftchen
geht, wird dieser intensive salzige Duft noch umhüllender und intensiver,
dieser Duft durchdringt jede Pore und setzt sich in ihr fest. Man hat das
Gefühl, völlig eins zu werden mit diesem tiefen blauen Ozean, seiner Freiheit,
seiner Mystik.
Qualm
von Christian Rabhansl
Die Sonne geht unter. Es legt sich die dunkle, schützende Hülle über das Land.
Ich sitze im Schneidersitz auf der Terrasse, die Stille beobachtend, den
vorbeiziehenden Qualm durch meine Nase realisierend. Was wiegt ein Päckchen
Traurigkeit verglichen mit weißen Noten, welche einem die Sinne vernebeln. Es wiegt
wie Leichtigkeit, der Nebel, der einem den Duft einer Rosenbrise assoziieren
lässt, befreiende Leichtigkeit. Vermischt mit dem Wohlwollen einer lauen
Sommernacht, holt einen dieser Duft auf den Boden der etwas anderen Tatsachen
hinauf. Es zeichnen sich Muster in der Schwärze der Nacht. Die Luft steht
still. Es bleibt nur der Rauch, der mit einem holzigen Geschmack mich aus der
balsamhaftigen Realität ins stinkende Tal der Finsternis zurück schmeißt.
Räucherstäbchen sind alle. Ich renne zum nächsten Markt.
Grün
von Benjamin Fleischmann
Die Farbe grün riecht wie ein klarer Frühlingsmorgen, reich nach Sauerstoff,
wie die erwachte Wiese nach dem Sonnenaufgang. Saftig und kraftvoll wie frisch
gemähtes Gras und zugleich mit dem fruchtig, blumig, aromatischen Aroma wilder
Blumen. Grün riecht nach Hoffnung, nach unerschütterlichem Vertrauen und dem
entschlossen Wagemut, der uns Dinge verändern lässt. Grün ist Wiederkehr und
Veränderung, Grün riecht „gut“. Grün riecht „grün“.
Der Geruch im Altenheim
von Sylvia Walter
Es riecht vermodert, fast schon unerträglich. Geruch von Desinfektionsmittel
vermischt sich leise und unmerklich mit dem Duft der Angst vor dem Tode, der
allgegenwärtig über den Menschen schwebt. Auch fäkaler Gestank ist zu
vernehmen. Die Pfleger haben oft keine Zeit, ständig die Windeln der Alten zu
wechseln. Auch die Mundhygiene lässt merklich nach, schlechter Atem ist ein
ständiger Begleiter.
Ein frisch bezogenes Bett
von Steffi Burk
Gerade wenn es neu bezogen wurde, die Sonne es durchs Fenster erwärmt hat,
verströmt es einen wunderbaren Duft. Dieser Duft ist warm, wie wenn man Wäsche
zum Trocknen aufhängt. Man könnte meinen, das Laken hat die warmen
Sonnenstrahlen aufgefangen. Legt man sich hinein, denkt man beim ersten tiefen
Atemzug an einen warmen Sommertag. Duftend grünes Gras, mit einem Hauch von
warmer Erde versetzt und mit einer wohlduftenden Note Parfum des Waschmittels.
Man wird umgeben von diesem warmen Duft, der einen wie ein Vorhang umhüllt und
in den Schlaf begleitet.
Süßer Tod
von Kai Kugler
Wie schwere Riesenhände sich um einen Hals legen, um ihn zu erwürgen, so legt
sich auch das Duftgemisch um meine Wahrnehmung. Zuerst drückt es zart, doch
nach dem nächsten Atemzug schwinden langsam das Seh- sowie das
Gleichgewichtsvermögen immer schneller unter dem grausamen Gemenge von Blumen-
und anderen Düften, meist chemisch grausamer Art, schnell hindurch! Anders geht
es nicht. Und wenn man es geschafft bis zur Hälfte die Luft anzuhalten, dann
wirkt die restliche Hälfte doppelt so schlimm. Erst eine viertel Stunde,
nachdem ich es roch, sind meine geplagten Sinne wieder in Ordnung. Und erst
nach einer halben Stunde habe ich wieder den Mut mich selbst dort hindurch zu
foltern. Wovon ich da schreibe? Von der Parfümabteilung von Karstadt.
Im U - Bahnwaggon
Felix Karg
Im U - Bahnwaggon nach Schulschluss riecht es nach Döner und Backwaren, nach
teurem Parfüm und billigem Deodorant, nach verschwitzten Leibern und fettigen
Haaren, nach feuchten Kleidern und kotigen Schuhen, nach Ekel, Unruhe, Adrenalin.
Im U - Bahnwaggon nach Schulschluss riecht es schlecht!
Kaffee
von Andrew McGuinness
Der frische Kaffee am morgen riecht schon, bevor man den ersten Schluck
getrunken hat, nach Wärme und Geborgenheit. Nach dem ersten Lichtblick, nachdem
man sich aus dem Bett quälen musste. Mit diesem herben, angenehmen Geruch in
der Nase kann der Tag beginnen. Der Geruch von Kaffee ist bereits der erste
Teil des täglichen Rituals.
Telefonkärtchen
Von Christian Bauer
Das Telefonkärtchen in meinem Federmäppchen trägt oberflächlich zunächst den
Geruch von einer mit vielen alten Büchern gefüllten Bibliothek oder einem
solchen Zimmer. Der zweite Eindruck aber hinterlässt in der Nase den Geruch
vieler verschwundener Stifte. Der Graphit des Bleistifte tritt klar zum Vorschein,
unter diesen Geruch mischt sich aber das Lösungsmittel des Filzstiftes.
Banane
Eva - Maria Rodriguez
Der Geruch einer Banane ist wie eine Reise in die Karibik. Sobald man den
Bananenstrauch daheim in die Obstschale legt und sich der Duft der Banane mit
dem Duft der Äpfel und Trauben vermischt, kommen in mir unwillkürliche Bilder
hoch. Oh, dieser süße und weiche Schmeichler, der sich samtig ausbreitet, kann
unmöglich gemalt oderadäquat mit
Wörtern wiedergegeben werden kann . Es setzt lediglich Sehnsüchte frei. Meine
Sehnsucht ist das Fernweh. Auf dieser Reise in Gedanken klettern kleine
schwarze Kinder auf Bananenpalmen hoch und es gibt Dorffeste, bei denen die
Eingeborenen Bastenröckchen tragen und wilde Tänze tanzen. Ach dass mein
nächster Urlaub mich in die Karibik führe!
Urlaub
von Tea Damjanovic
Das salzig riechende Wasser des Meeres liegt in der Luft. Die Sonne, die auf
der Haut brutzelt und der Geruch der süßlich wohlduftenden Sonnencremen, der
durch den Wind verstärkt von Strand zu Strand getragen wird. Derstaubig riechende Sand des Strandes erwärmt
von der Sonne. Und das wichtigste der Kokosnuss – Mann, der mit seinem fruchtig
riechendem Obstkorb und seinem Urgeschrei den Strandabschnitt und deine
Geschmackssinne unterhält. Ja so riechtUrlaub.
