Faust-Aufführung am 28. März 2007

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Theaterproben

Als bunter Haufen fanden wir uns zu Beginn bei unserer Chefin (Sabine Coburger) etliche Monate vor der Aufführung in einem kleinen Zimmer im zweiten Stock ein. Nach etlichen Diskussionen einigten wir uns dann auf eine eigene Inszenierung von Goethes „Faust", da der Originaltext den meisten bekannt war. Wir hielten uns aber weitestgehend an den Originaltext.

So teilten wir zunächst erst einmal die Rollen auf. Ich selbst wollte gerne den Mephisto spielen, da ich im realen Leben immer den Guten spiele und ich nun mal meine andere Seite zeigen wollte. Dann bekam jeder eine Szene und machte sich sogleich daran seine eigenen Reime einzufügen, Textabschnitte auszutauschen und weitere Änderungen vorzunehmen. Pünktlich lieferten wir unsere Texte bei unserer Regisseurin Sabine Coburger ab. So konnten wir uns sogleich an die Arbeit machen und ein Konzept für die Gestaltung der Bühne machen. Die Requisiten und Bühnenbilder wurden von unseren begabten Mädels Lisa und Helen in mühevoller Arbeit hergestellt - auch außerhalb der Schulzeit. Als dann alles fertig war und wir nach langen Warten endlich unser Podest geliefert bekamen, konnte es losgehen mit den Proben.

Da wir noch eine Menge Zeit bis zur Aufführung hatten und Schüler bekanntlich dazu neigen alles auf die lange Bank zu schieben, ließen wir es erst mal langsam angehen. Einige Wochen vergingen ohne großen Fortschritt und fast keiner konnte so richtig seinen Text auswendig. Bis uns Sabine dann die Leviten las. Nun stellten sich die ersten Fortschritte ein und wir konnten schon einige Szenen proben. Am meisten Spaß haben uns die darauf folgenden Proben gemacht, die zu einigen Lachkrämpfen führten. Auch unser Faust II (der junge) konnte sich so richtig austoben und seine Schönheit vor dem Spiegel genießen (für die Nichtkenner unseres Stückes: Der alte Faust wird vom Hexenmeister Dr. Mabuse in einen jungen Mann verwandelt). Unserer alter Faust war wohl der fleißigste unter uns und konnte schon von der ersten Probe an seinen Text so gut wie auswendig.  Zwischen all den Requisiten fanden wir auch immer unseren Kaffee, der bekanntlich einen hohen Stellenwert an unserer Schule besitzt. Alle zusammen hatten wir eine Menge Spaß.

Dann machte es Sabine möglich, dass wir professionelle Hilfe bekamen. Yvona, eine Regisseurin aus Erlangen, begleitete uns durch unsere Proben und kam uns mit ihrer Erfahrung mit Rat und Tat zu Hilfe. Dabei sprangen auch noch ein paar Nebenrollen für eine Aufführung am Erlanger Theater heraus, was vielleicht für einige einen Sprung auf die Karriereleiter bedeuten kann. Nun rückte der Termin der Aufführung immer näher. Noch waren wir entspannt und alles ging entspannt seinen Gang. Noch mehr Proben, noch mehr Kaffee und noch mehr Zigarettenpausen!

Dann war es soweit. Die Karten für die Theateraufführung in unserer Aula waren restlos ausverkauft und so sehnten wir uns diesen Abend herbei. Jetzt konnten wir allen zeigen, was wir in den letzten Monaten geprobt hatten. Premiere! Stunden vorher sammelten wir uns in der Aula und bereiteten uns vor. Das Bühnenbild wurde fertig aufgestellt und einige Männer(!) mussten noch geschminkt werden. Nach einer kurzen Erholungspause trafen wir dann am Abend alle ein und schlüpften in unsere Rollen. Langsam füllte sich der Saal mit Zuschauern und mein Herz begann etwas schneller zu schlagen.

Dann ging's los. Der Vorhang wurde aufgezogen. Gott und Teufel saßen da und führten in die Geschichte ein. Spätestens da begriff ich, dass all zu viel Kaffee auch keine Lösung ist und ich versuchte meine Nervosität so gut wie möglich zu verbergen. Mephisto verführte Faust in die Kunst des Lebens mit Hilfe seiner Hexen, was ihm ein besonderes Vergnügen bereitete um seine Wette mit Gott nicht zu verlieren. Faust verlor sich ganz in der Liebe zu Gretchen. Und Gretchen wiederum verlor ihr Leben, als sie guten Herzens, aber im Wahnsinn gerichtet wurde.  Alle waren ganz schön aufgeregt und hinter unseren engen Kulissen gab es eigentlich nur Enge und Gedränge, was aber kein Zuschauer mitbekam. In der dritten Szene verließ mich dann mein Gedächtnis und ich vergaß meinen Text. Nun half nur Improvisieren. Ich wiederholte eine ganze Textpassage und wünschte mir grade jetzt nicht hier zu sein, sondern ganz weit weg. Naja, auch das ging vorbei. Live ist eben live und angeblich hätte es keiner bemerkt, so sagte man mir nach der Aufführung. Nach nicht einmal einer Stunde schwitzten wir schon ganz gewaltig unter den Kostümen, Perücken und der Schminke, was wir auch in unsrer Umzieh-Ecke olfaktorisch wahrnehmen konnten. Die Schlussszene verkürzten wir dann etwas, weil live ist eben live. Dann fiel der Vorhang und es war vorbei. Endlich. Ein tosender Applaus begann und entlohnte uns für unsere Arbeit. Dann wollte jeder von uns nur noch raus an die frische Luft, was sich aber als schwierig erwies, weil wir ja nun echte Stars waren und jeder mit uns reden wollte.

Sabine haben wir das alles zu verdanken und als ob sie noch nicht genug geleistet hätte, organisierte sie auch noch die Premieren-Party mit Sekt und Häppchen. Im Nachhinein hat sich also die ganze Arbeit gelohnt und dank des tollen Publikums wurde die Aufführung echt zum Highlight. Dass wir eine ganz tolle Schule sind, brauche ich ja nicht weiter erwähnen. Es hat uns allen Spaß gemacht und es wäre schön, wenn die Nachfolge-Schauspieler weitere Stücke aufführen würden.

Tobias Günther (Mephisto)




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